ARTIKEL | Bessere Versorgung Schwangerer mit Bluthochdruck
Etwa sechs bis acht Prozent aller schwangeren Frauen erkranken an einem Bluthochdruck.
Die aktuelle Versorgungsleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) soll nun frühere Diagnosen ermöglichen und die Behandlung verbessern.
Geprüft wurde sie durch die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Dazu Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Ulrichs Pecks: „In der neuen Leitlinie wird empfohlen, den Bluthochdruck präziser medikamentös einzustellen als bislang. Hierzu wurden in den vergangenen Jahren wichtige Studien veröffentlicht, die nun in die Leitlinie eingeflossen sind.“ Mit dieser medikamentösen Einstellung des Bluthochdrucks könne idealerweise auch der Zeitpunkt der Entbindung bei optimalem Verlauf weiter verschoben werden.
Ein Bluthochdruck in der Schwangerschaft ist auch ein Hinweis auf eine mögliche Präeklampsie, die oft umgangssprachlich „Schwangerschaftsvergiftung“ genannt wird. Von einer Präeklampsie spricht man, wenn zusätzlich zu einem Bluthochdruck („Hypertonie“) Organschäden festgestellt werden, etwa an Niere oder Leber.
Dabei scheiden die Frauen dann z. B. vermehrt Eiweiße über die Niere aus oder haben erhöhte Leberwerte im Blut. Weltweit versterben jährlich mehr als 50.000 Frauen und 500.000 Babys an den Folgen einer Präeklampsie. Mütterliche Todesfälle sind in den industriell entwickelten Ländern zum Glück selten. Aber das Leid der Frauen und die Folgen einer Frühgeburt wegen einer Präeklampsie können erheblich sein.
Daher empfiehlt die neue Leitlinie ein allgemeines Screening auf Präeklampsie bei jeder Schwangeren. Auch angesichts des demographischen Wandels, älter werdender Frauen bei der ersten Schwangerschaft und zunehmenden Schwangerschaften bei Frauen mit Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus ist eine frühe Erkennung wichtig.
Einschränkung: „Dieses Screening ist leider aktuell keine Kassenleistung. Dabei kann es enorm helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen, um vorbeugende Maßnahmen einzuleiten und eine Präeklampsie zu verhindern“, so Pecks. Ein solches Screening sollte in der 12. oder 13. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden.
Folgeerkrankungen im Fokus
Mit der Leitlinie soll auch das Risiko von Folgeerkrankungen nach der Schwangerschaft stärker in das Bewusstsein rücken. Prof. Pecks: „Frauen, die einen Bluthochdruck in der Schwangerschaft entwickelt haben, zeigen ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im weiteren Leben.“
Quelle:
S2k-Leitlinie Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie. AWMF Leitlinien-Register, Registernummer 015-018, Version 7.0, Stand 07/2024. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-018
– Dr. Lal Pirouzmandi –
